"Die Feuerwehren kommen mit zu vielen Fahrzeugen"

Jahresaktion: Feuerwehren räumen mit Vorurteilen auf.

Landkreis Schweinfurt

Aussagen wie „Da muss was schlimmes passiert sein, wenn die mit soviel Fahrzeugen kommen“ oder „Das ist Euer Beruf“ sind landläufige Vorurteile gegenüber den Feuerwehren. Im Rahmen ihrer Jahresaktion, bei der die Feuerwehren zum „zupacken statt zuschauen“ werben, räumen die Feuerwehren mit Vorurteilen auf.

Wenn die Einsatzkräfte mit mehreren Fahrzeugen, beispielsweise mit einem Lösch- oder Rüstzug ausrücken, obwohl möglicherweise nicht alle Gerätschaften an der Einsatzstelle benötigt werden, liegt das daran, dass die Feuerwehren für alle möglichen Szenarien gerüstet sein müssen. Bei der Notrufmeldung wird der Leitstelle ein „Ölauslauf nach einem Verkehrsunfall“ gemeldet und an der Einsatzstelle stellt sich heraus, dass eine Person im Fahrzeug noch eingeklemmt ist und Rettungsschere und Spreizer benötigt werden. Hier wäre ein fataler Zeitverlust, wenn das Fahrzeug mit hydraulischem Rettungsgerät erst nachgefordert werden müsste.

Feuerwehrfahrzeuge sind meist für ein Spezialgebiet optimiert. Die einen für die Brandbekämpfung mit Wasser und Schlauchmaterial, andere für die technische Hilfeleistung mit hydraulischem Rettungsgerät und Hebekissen, andere für den Umweltschutz mit speziellen Pumpen, Anzügen und Auffangbehältern. Würden alle Gerätschaften auf einem Fahrzeug verstaut werden, würde dies schnell überladen, zu schwer und nicht mehr wendfähig werden. Viele Fahrzeuge wiegen heute schon zehn bis 15 Tonnen und es wird beispielsweise schwierig mit zu großen Fahrzeugen in enge Gässchen einer Altstadt oder ins Gelände zu fahren.

In der Regel werden bei einem Verkehrsunfall für jeden PKW in dem eine Person eingeklemmt gemeldet ist, zwei Rettungssätze alarmiert, sprich auch zwei Fahrzeuge, für den Fall, dass ein Rettungssatz während des Einsatzes ausfällt. Ein weiteres hat Wasser für die Sicherstellung des Brandschutzes dabei. Für eine optimale Einsatzabwicklung hat sich herausgestellt, dass es sinnvoll ist, bei einem Unfall zwischen zwei Ortschaften, von beiden Seiten Einheiten anrücken zu lassen. „Die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge sagt also nicht unbedingt was über die Schwere eines Unglückes aus, sondern ist eine Sicherheit, jederzeit das richtige Einsatzgerät vor Ort zu haben“, sagt Kreisbrandrat Georg Vollmuth.

Immer wieder hören die Einsatzkräfte von Betroffenen im Zuge eines Einsatzes die Meinung, dass diese sowieso von der Gemeinde für die Einsatzleistung bezahlt werden oder dies hauptamtlich machen. „Das ist völlig falsch“, erklärt Kreisbrandrat Georg Vollmuth. Die Einsatzkräfte erhalten keinerlei Bezahlung. Sie machen Ihren Dienst völlig unentgeltlich und dabei spielt es keine Rolle, ob es zum Zeitpunkt des Alarmes zwei Uhr früh oder sieben Uhr abends ist. Die Mitglieder sind nur aus Idealismus oder technischem Interesse oder auch wegen der Kameradschaft Mitglied in der Feuerwehr. Und niemanden interessiert am nächsten Morgen, ob man die halbe Nacht bei einem Brandeinsatz tätig war und verständlicherweise nicht ausgeschlafen ist.

Hintergrund für diese Meinung ist, dass alle Feuerwehren Bayerns innerhalb einer Hilfsfrist von zehn Minuten an jeder öffentlichen Straße in der Regel präsent sind, obwohl sie ihren Arbeitsplatz oder ihr Bett verlassen müssen, zum Feuerwehrhaus fahren, sich umziehen und zur Einsatzstelle fahren müssen. Ein weiterer Grund für diese Fehleinschätzung ist, dass die Städte und Gemeinden als Ersatz für die weggefallene Feuerschutzabgabe ihre Kosten beispielsweise bei Unfällen mit Fahrzeugen zum Teil in Rechnung stellen können.